Dr. Frank Brodehl: „Um die Gewalt an Schulen erfolgreich zu bekämpfen, müssen wir zunächst ihre Ursachen ermitteln“

An den Schulen Schleswig-Holsteins treten immer öfter Fälle von Mobbing und Gewalt auf. Die AfD-Fraktion beantragt deshalb eine Expertenanhörung, die den genauen Umfang und die konkreten Ursachen dieses Problems aufdecken soll – insbesondere warum Gewalt und Mobbing trotz bestehender Präventions-, Interventions- und Ordnungsmaßnahmen zunehmen. Dr. Frank Brodehl, bildungspolitischer Sprecher der AfD-Fraktion, erklärt dazu in seiner Rede:

„Gewalt und Mobbing an Schulen nehmen zu. Das ist nicht hinnehmbar! Wir müssen uns also fragen: Wo liegen die Ursachen? Wie gehen Lehrkräfte damit um? Und vor allem: Verfügen Schulen über ausreichende Ressourcen, um auf ihre Situation abgestimmte Hilfsangebote entwickeln zu können?
Um all diese Fragen genauer als bisher beantworten zu können, beantragen wir eine Expertenanhörung zu dem Thema Mobbing und Gewalt an Schulen. Und hierbei, meine Damen und Herren, darf es nicht nur um Gewalt unter Schülern gehen, sondern auch um Gewalt gegen Lehrkräfte.

Dass diese in den letzten Jahren zugenommen hat, belegen die Statistiken: Bundesweit stieg etwa die Zahl der Straftaten gegen Lehrkräfte von rund 1.700 im Jahr 2014 auf 2.255 im Jahr 2018. Eine Befragung des Pädagogenverbandes VBE hat ergeben, dass an jeder fünften Schule Cybermobbing, an jeder vierten körperliche Angriffe und an jeder zweiten Schule psychische Gewalt vorkommt.

Und auch wir in Schleswig-Holstein bleiben von all dem nicht verschont – an die Schlagzeilen der Presseberichte über Gewalt selbst an Grundschulen vom Herbst vergangenen Jahres möchte ich mich nicht, möchte sich wohl niemand von uns gewöhnen. Dabei blieben in der Presse gleich zwei Aspekte völlig unberücksichtigt: Erstens der, dass es den allermeisten Schülern und Lehrkräften sehr erfolgreich gelingt,

Mobbing und Gewalt an ihren Schulen zu unterbinden. Und zweitens blieben in der Berichterstattung all die Formen von Gewalt unerwähnt, die nicht so recht schlagzeilen- trächtig sind: Drohungen, Erpressungen, Ausgrenzungen, Cyber-Mobbing oder auch das Fehlen jeglichen Respekts gegenüber Mitschülern oder Lehrern.

Es gilt also: Nichts alarmierend hochspielen, gleichzeitig aber nicht die Augen vor der negativen Entwicklung verschließen.
In Schleswig-Holstein werden Gewalttaten seit 2018 in der Datenbank Gewaltmonitoring an Schulen GEMON erfasst. Die ersten Ergebnisse werfen mehr Fragen auf als sie beantworten: Von den fast 600 Fällen waren rund die Hälfte Körperverletzungen, über 80 Prozent der Täter sind Jungen, mache Schulformen sind deutlich stärker betroffen als andere und es gibt große regionale Unterschiede.

Dabei – und dies ist wichtig zu wissen – wurden von GEMON nur solche Fälle erfasst, die zur Folge hatten, dass der Täter der Schule oder der Klasse verwiesen worden ist – nach Paragraf 25 des Schulgesetzes. Und so schnell passiert das nicht! GEMON erfasst also, abgesehen von Straftaten, die ohnehin polizeilich erfasst werden, nur die Spitze des Eisbergs.

Und diese Ergebnisse, die also nur einen Sektor von Mobbing und Gewalt abbilden, will das Ministerium nun auswerten – mit den Schulleitungen und der Schulaufsicht. Und wir sagen hier: Das reicht nicht. Die Daten liegen auf dem Tisch. Wenn wir wirklich Veränderung wollen, müssen endlich die Hintergründe und Ursachen von Gewalt aufgedeckt werden. Nur wenn wir darum wissen, dann können auch passgenaue Präventions- und Interventionsmaßnahmen geschaffen werden. Die Grundlage hierfür sollte im Aus- tausch mit Experten unterschiedlichster Disziplinen gelegt werden. Dafür schlagen wir eine Anhörung vor, und für diese müssen wir uns jetzt Zeit nehmen.

Das heißt nicht, dass die GEMON-Erhebungen überflüssig wäre – im Gegenteil. Diese Daten sind absolut grundlegend. Das heißt auch nicht, dass nicht bereits heute schon gute Lehrerfortbildungsangebote bestehen. Und das heißt erst recht nicht, dass nicht auch schon heute wirklich gute Präventionsarbeit von Lehrern und Schülern umgesetzt wird. Beides – die erschreckenden Ergebnisse von GEMON und die Fälle, in denen Gewalt und Mobbing effektiv verhindert wird, sollten auf Expertenebene analysiert werden.

Jamaika sieht das leider offenbar anders. Sie wollen, ich zitiere mit Ihrer Erlaubnis aus Ihrem Alternativantrag, dass ‚geprüft werden soll, inwieweit eine wissenschaftliche Begleitung der statistischen Auswertung erfolgen müsse‘. Ihnen sage ich: Wir brauchen keine Prüfung. Wir brauchen nicht noch mehr Statistiken.

Wer hier und heute allen Ernstes sagt, er wolle weiter prüfen, dem sage ich: Gehen Sie mal eine Woche in die Schule, dann reden Sie nicht mehr vom Prüfen, sondern dann verlangen Sie Taten. Dann erkennen Sie nämlich, wie verbreitet die unterschiedlichen Formen von Mobbing und Gewalt bereits sind und wie komplex die Materie ist. Ein Alternativantrag nach dem Motto ‚Weiter so – wir prüfen‘ hätten Sie sich sparen können.

Meine Damen und Herren, die meisten Schüler erleben ihre Schule als gewaltfreien und sicheren Ort. Aber das muss für alle Schulen gelten. Und deshalb sollte sich niemand der Tatsache verschließen, dass sich das Problem in den letzten Jahren verschärft hat.

Es gilt also, Lehrer und Schüler in dieser Lage nicht allein zu lassen. Es gilt, sich rechtzeitig mit Experten auszutauschen. Wie eingangs gesagt: An Schlagzeilen über Gewalt an Schulen, wie Ende letzten Jahres, möchte ich mich nicht gewöhnen. Stimmen Sie unserem Antrag einer Expertenanhörung im Bildungsausschuss zu und lassen Sie uns Schülern, Eltern und besonders auch Lehrern damit ein Zeichen des Respekts und der Wertschätzung geben: Die Politik nimmt die Situation ernst. Mit Mobbing und Gewalt werden wir uns nicht abfinden.“

Weitere Informationen:

• Pressemitteilung von Dr. Frank Brodehl zum Antrag der AfD-Fraktion „Expertenanhörung zum Thema Mobbing und Gewalt an Schulen“ vom 13. Januar 2020: http://www.ltsh.de/presseticker/2020-01/13/12-15-19-387f/PI-XhxRRzh–afd.pdf

• Antrag der AfD-Fraktion „Expertenanhörung zum Thema Mobbing und Gewalt an Schulen“ vom 10. Januar 2020: http://www.landtag.ltsh.de/infothek/wahl19/drucks/01900/drucksache-19-01936.pdf

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