Dr. Frank Brodehl: „Was Schüler brauchen, ist so viel Präsenzunterricht wie möglich – Jamaika kann und muss hier mehr tun“

    Dr. Frank Brodehl (AfD)

    Im Rahmen der heutigen Plenardebatte zu weiteren Lockerungen bestehender Corona-Regelungen für die Schulen in Schleswig-Holstein erklärt Dr. Frank Brodehl, bildungspolitischer Sprecher der AfD-Fraktion, erklärt in seiner Rede:

    „Als ich gestern an einer Schule vorbeikam, hatten die Lehrkräfte dort ein großes Plakat angebracht. Darauf stand in großen Buchstaben: Wir vermissen Euch! Mir wurde dadurch noch einmal richtig bewusst, wie wichtig die drei Ziele sind, die wir als AfD verfolgen:

    • Wir wollen, dass möglichst viele Schüler wieder in die Schule kommen können – und nicht nur einzelne Klassen.
    • Wir wollen, dass Schüler wieder möglichst schnell in die Schule kommen können, und nicht erst kurz vor den Sommerferien.
    • Und wir wollen, dass Schüler wieder möglichst oft in die Schule kommen, und nicht nur 1 bis 2 malpro Woche.

    Denn eins ist klar: Kinder und Jugendliche gehören zu der Personengruppe, die am stärksten von den Lockdown-Maßnahmen betroffen ist.

    Die anfängliche Freude über den Schulausfall ist längst verflogen. Keine Schule zu haben heißt für sie: keine Freunde mehr treffen, keinen Lehrer zu haben, der sich um sie kümmert, keine Rückmeldung über den eigenen Lernerfolg zu bekommen, keine Rituale zu haben, die den Tag einteilen. Und damit verbunden: Kein gemeinsames Chillen am Nachmittag, keine Spielplätze, keine Pfadfindergruppe, keine Sportvereine.

    Und den Frust darüber bekommen dann Tag für Tag, seit dem 16. März, die Eltern zu spüren – die Eltern, die ohnehin schon genug Stress mit der eigenen Arbeitssituation haben und nun im Homeoffice den Ersatzlehrer spielen.

    Immerhin, der Schulbetrieb läuft wieder an. Die dafür notwendigen Maßnahmen und Gesetze finden inhaltlich weitgehend unsere Zustimmung. Der Wiedereinstieg verläuft, nach alledem, was ich gehört habe, vollkommen reibungslos – und genau das war auch absehbar. Denn es ist keine Zauberei, einzelne Klassen in einem Schulgebäude räumlich und zeitlich zu entzerren – zumal es gesetzlich zulässig ist, Nachmittage oder auch Samstage miteinzuplanen.

    Durch Schichtunterricht, etwa nach dem Schweizer-Modell, wäre dabei viel mehr Präsenzunterricht möglich als bislang. Der wird aber nicht realisiert und auch deshalb fragen sich viele Eltern: Wie soll mein Kind den Stoff nur nachholen? Dabei, meine Damen und Herren, kann es mit dem eigentlichen Unterrichtsstoff noch gar nicht losgehen. Denn viele Schüler sind regelrecht angstbesetzt – gut, dass unsere Lehrkräfte sich Zeit nehmen, hierauf einzugehen, um irrationale Ängste abbauen.

    Und als Politiker können wir den Schülern sagen: Eure Schule ist ein sicherer Ort!

    Ja, es gibt auch Kinder und Jugendliche, die sich infizieren – aber selbst in Italien oder New York sind nur äußerst wenige davon ernsthaft erkrankt; das Risiko dafür ist deutlich kleiner als etwa das eines Verkehrsunfalls auf dem Schulweg. Und wenn es weiter darum geht, Ängsten zu begegnen, die ja unweigerlich kommen, wenn man Tag für Tag Bilder von  Särgen und Leichensäcken in anderen Ländern zu sehen bekommt, dann gehört bei aller Tragik auch zur Wahrheit: Das durchschnittliche Todesalter der Covit-Opfer beträgt, Sie wissen es, 81 Jahre – also kein Schulalter.

    Um auf die Frage zu antworten, ob Kinder nicht dennoch als Überträger des Virus fungieren, nur so viel: Bis heute existiert kein wissenschaftlicher Nachweis darüber, dass Schulen zur massenhaften Verbreitung von Corona beitragen. Im Gegenteil: Es gibt zahlreiche Studien, die belegen, dass sich Kinder bei Erwachsenen anstecken, weit weniger aber Erwachsene bei Kindern.

    Der Schweizer Kindervirologe Christoph Berger, immerhin der Leiter der Züricher          Universitäts-Infektiologie, fordert, Eltern genau dies vor dem Schulstart ihrer Kinder zu sagen. Das mache ich heute und es ist mir wichtig zu betonen, dass es zum Glück noch andere Wissenschaftler gibt als nur Herrn Drosten.

    Und da wir schon bei ‚der Wissenschaft‘ sind – eine einheitliche Meinung der Wissenschaftler zu der Frage, wie wir mit der Pandemie umgehen sollten, gibt es nicht. Herr Kekule kritisiert die Lockerungen als ‚brandgefährlich‘ – die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene fordert die sofortige Öffnung aller Kitas und Schulen. Die Entscheidungen, die Politik treffen muss, dürfen sich also nicht einseitig auf die Urteile einzelner Wissenschaftler verlassen.

    Vor einer Woche, Frau Ministerin Prien, haben Sie Ihren Planungen vorgestellt und begründet. Aber inzwischen liegen aus vielen Staaten und Bundesländern neue Erkenntnisse vor, die mich nochmals zu der Forderung bringen: Wiedereinstieg in den Unterricht

    • möglichst bald,
    • für möglichst viele Schüler und
    • mit möglichst vielen Unterrichtsstunden.

    Es ist mehr möglich und notwendig als das, was die Landesregierung vorlegt. Ich wünsche unseren Schülern, dass das Plakat ‚Wir vermissen Euch!‘ ganz schnell wieder abgehängt werden kann.“

     

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