Jörg Nobis: „Der Schifffahrtstandort Deutschland braucht mehr als Symbolpolitik!“

Portrait Jörg Nobis, Vorsitzender der AfD-Gruppe im Landtag Schleswig-Holstein
Jörg Nobis, Vorsitzender der AfD im Schleswig-Holsteinischen Landtag, nimmt Stellung zum Innovationspreis für maritime Wirtschaft und fordert ein klares Bekenntnis zum Schifffahrtstandort Deutschland:
„Die Idee, einen Innovationspreis für die maritime Wirtschaft zu konzeptionieren, unterstützen wir. Die Innovationsfähigkeit Deutschlands ist seit Jahren abnehmend, von daher ist ein solcher Preis sicherlich ein schönes Symbol für den maritimen Sektor, mehr leider aber auch nicht. Um die maritime Wirtschaft langfristig zu stärken und überhaupt in Deutschland zu erhalten, braucht es natürlich mehr als reine Symbolpolitik oder die Vergabe eines schönen Preises.
Zunächst einmal braucht es ein klares Bekenntnis der Politik zum Schifffahrtstandort Deutschland, und zwar ohne ein grünes Wenn und Aber. In vielen Bereichen des Schiffbaus ist Deutschland international nicht konkurrenzfähig, es bedarf entsprechender Fördergelder. Die deutschen Werften sind gefühlt in einer Dauerkrise, trotz manchmal gut gefüllter Auftragsbücher. Die deutsche Flagge ist für Reeder mittlerweile völlig uninteressant geworden. Selbst alteingesessene, große deutsche Reedereien betreiben nicht selten kein einziges Schiff mehr unter deutscher Flagge und beschäftigen auch keine deutschen Seeleute mehr.
Die Schifffahrt hat ohnehin ein äußerst schwieriges Jahrzehnt hinter sich und wenn es in jüngster Zeit etwas bergauf geht für die Schifffahrt, dann begrüße ich das ausdrücklich. Neue Technologien machen selbstverständlich auch vor der Schifffahrt nicht halt, auch wenn der gute alte Dieselmotor immer noch Standard ist – ganz zurecht wie ich finde; und er wird es auch noch lange Zeit bleiben.
Segel, Zugdrachen oder sogenannte Flettner Antriebe spielen für die Großschifffahrt keine Rolle; einzig und allein Flüssiggas -LNG- bietet eine interessante Alternative. Hier gibt es sogar die Möglichkeit, in Hybridmotoren wahlweise LNG oder Schweröl zu verbrennen. Da jedoch der Wirkungsgrad bei LNG geringer ist als bei Schweröl, die notwendigen Gastanks sehr groß bemessen sein müssen und die Versorgung mit diesem Brennstoff in Häfen längst nicht überall gewährleistet ist, wird diese Technik wohl eher im Fährverkehr oder auf LNG-Tankern zum Einsatz kommen.
Eine andere Innovation jüngerer Zeit ist ebenfalls interessant: die sogenannte Luftschmierung für Schiffe; kleine Luftblasen, die unter dem Schiffsboden ausgestoßen werden, verringern während der Fahrt den Schiffswiderstand, was zu einer Treibstoff-Einsparung von rund 5 bis 10% führt, je nach Tiefgang und Schiffsgröße. Doch auch diese patentierte Methode, eine hervorragende Innovation in meinen Augen, ist leider keine deutsche Innovation, sondern sie wurde in Japan durch Mitsubishi Heavy Industries Ltd. entwickelt.
Schön wäre es also, wenn zukünftig auch Unternehmen aus Deutschland und insbesondere natürlich aus Schleswig-Holstein wieder mehr derartige Innovationen hervorbrächten. Innovationen waren in der Vergangenheit immer so etwas wie der Treibstoff für eine international wettbewerbsfähige deutsche Industrie; und das gilt ganz allgemein und nicht nur im maritimen Sektor. Ohne Innovationen wird jedes Unternehmen, jeder wirtschaftliche Sektor früher oder später vom Markt verdrängt. Es kommen dann andere, die es besser machen. Deutschland kann sich einen weiteren Innovationsverlust nicht leisten. Wir brauchen also mehr Ingenieure und nicht mehr Gender-Professuren, um es mal auf den Punkt zu bringen.
Bei genauer Betrachtung ist der vorliegende Alternativantrag der SPD der bessere Antrag, weil er einen `maritimen Gipfel` fordert, der aus unserer Sicht längst überfällig ist. Trotz der darin enthaltenen Gendersternchen, die wir natürlich nach wie vor ablehnen, stimmen wir heute dem SPD-Antrag zu.
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